Ich übe keine Asanas, …

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… denn das brauche ich nicht mehr.”

Das hat eine meiner Ausbilderinnen gesagt, als wir Teilnehmenden sie gefragt haben, wie ihre eigene Yogapraxis aussieht. Das ist viele Jahre her, aber sowohl die Frage als auch die Antwort treiben mich immer wieder um!

 

Sowohl lernen als auch lehren sehe ich als gemeinsamen Weg. Dabei ist es essentiell, zugänglich zu sein und miteinander in Beziehung zu treten. Dieser Weg des Lernens und Lehrens kann ja nur ein Weg bleiben, wenn ich als Lehrende selbst auch übe, wofür ich mich da so begeistere. Ich kann also überhaupt nicht nachvollziehen, wenn eine Person – und sei sie noch so erfahren – behauptet, sie würde das, was sie unterrichtet, “nicht mehr brauchen”. Das ist eine Sackgasse, da geht es nicht mehr weiter.

Ganz abgesehen davon, dass das Prinzip des Unterrichts, wie ich es verstehe, damit untergraben ist, finde ich es eine sehr problematische Haltung: “Ihr braucht das noch, daher unter-richte ich Euch noch darin. Aber ich selbst bin so alt/gut/weise/entwickelt/…, ich brauche das nicht mehr.” Da stellt sich die Lehrperson über die Lernenden. Diese Struktur kann man in vielen Beschreibungen von Guru-Schüler-Beziehungen erkennen und schafft ungesunde Hierarchien. Die Haltung öffnet Räume für Missbrauch und schließt Räume für neugieriges, ehrliches Erleben. Das kennen die meisten von uns noch aus ihrer eigenen Schulzeit.

Zurück zur eigenen Praxis: Wie viel braucht man als Yogalehrer:in wirklich?

Menschen sind unterschiedlich – auch Yogalehrer:innen. Die einen üben lieber ausführlich Asanas, andere konzentrieren sich mehr auf Meditation und Pranayama. Manchen erlaubt es der Alltag, täglich zu praktizieren, manche hüpfen nicht täglich auf die Matte. Und realistischerweise ist nicht jeder Tag gleich: Vielleicht ist man mal verletzt oder krank und die Praxis beschränkt sich auf Atemübungen. 

Für mich ist wichtig, dass ich (und diesen Anspruch habe ich auch an andere Yogalehrer:innen) mehrmals wöchentlich unterschiedliche Methoden des Yoga übe: Asanas, Meditation und Pranayama. Außerdem gehört eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Yoga-Philosophie und Werten dazu.

Yoga ist kein weiterer Bewegungstrend, sondern eine spirituelle Praxis mit Tradition. Wer Yoga lehrt und/oder ausbildet, sollte diese Praxis auch selbst leben, denn nur so entsteht ein Unterricht, der glaubwürdig und stimmig ist.

Was denkst Du darüber? Wie viel eigene Praxis braucht ein/e Yogalehrer:in? Bin ich zu streng?
Schreib mir gerne ein Email mit Deinen Gedanken an info@lenayoga.at!

Liebe Grüße und bis bald,
Lena.

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