Yoga oder Breathwork?

Yoga oder Breathwork?

Breathwork-Header-dick Yoga oder Breathwork?

 

Liebe Lena, jetzt musst Du Dich entscheiden…

wählst Du das trendige Breathwork, das mit seiner kraftvollen Wirkung alle Übenden begeistert, oder bleibst Du bei Deiner bodenständigen Variante des Yoga, das Dich seit vielen Jahren trägt und hält?

So hätte Susi von der uralten Fernsehsendung Herzblatt vielleicht versucht, mir die Wahl zwischen Yoga und Breathwork zu vereinfachen. Aber: Ich will (und muss) mich gar nicht entscheiden!

 

Breathwork im Yoga

Pranayama, also das Lenken der Lebensenergie mit Hilfe des Atems, kommt schon in ganz alten Yogaschriften vor, sogar früher als die Asanas. Es ist also schon sehr lange ein fixer Bestandteil im Yoga. Manche Yogalehrer:innen behaupten, man darf Asanas und Pranayama nicht kombinieren, andere wiederum behaupten das Gegenteil: Man muss die Asanas mit bestimmten Pranayamas üben, weil sie sonst nicht wirken. Ich persönlich bin da wie immer der Meinung, dass das jede:r für sich ausprobieren muss. 

Als ich mit 12 Jahren Gesangsunterricht erhalten habe, bin ich das erste Mal mit Atemübungen in Kontakt gekommen und mein Zwerchfell hat dadurch gutes Training erhalten. Viele Jahre später bin ich im Yogakurs an Hund und Held II allerdings schier verzweifelt! Ich war so unfit und es ging mir zu der Zeit so schlecht, dass ich diese zwei Asanas nicht mehr als Sekunden halten konnte. Wie sehr habe ich mich da über die Pranayamas gefreut! Diese konnte ich zumindest mitmachen, ohne früher abzubrechen! Für alle, die gerade an einem ähnlichen Punkt sind wie ich damals: Es wird besser, bleibt in Eurem Tempo dran!

 

Ein Match

Seit dieser Anfangszeit sind Yoga und Atem für mich eine fixe Verbindung. Meine erste Yogalehrer:innen-Ausbildung habe ich im Triyoga absolviert. Das “tri” in Triyoga steht für drei Säulen: Asanas, Mudras und… Atem. Jede Bewegung wird in diesem Yogastil mit dem Atem koordiniert, er ist also wirklich sehr präsent.

Mein erster fortlaufender Yogakurs war für Freitaucher:innen, also ein Vorläufer meines aktuellen Formats “Yoga und Breathwork”. Freitaucher:innen (Apnoetaucher:innen) bereiten sich mit Asanas und Pranayama auf ihre Tauchgänge vor. So können sie länger die Luft anhalten, wenn sie mit einem Atemzug möglichst tief, weit oder lang tauchen.

Ich wollte immer mehr über das Thema Breathwork wissen. Je mehr ich darüber lerne, desto enger sehe ich Yoga und den Atem miteinander verknüpft. Die Asanas bereiten Körper und Geist auf die Atemübungen vor. Wenn der Körper im Fluss und der Geist bereit ist, kann Pranayama wirken. Pranayama kann beim Üben der Asanas unterstützen. Die Asanas unterstützen wiederum die Atem(hilfs)muskulatur… 

Vielleicht sollte Susi also lieber sagen: Liebe Lena, Du musst Dich nicht entscheiden! Atme lieber einmal tief durch…

Ich übe keine Asanas, …

Ich übe keine Asanas, …

Foto-Website Ich übe keine Asanas, ...

 

… denn das brauche ich nicht mehr.”

Das hat eine meiner Ausbilderinnen gesagt, als wir Teilnehmenden sie gefragt haben, wie ihre eigene Yogapraxis aussieht. Das ist viele Jahre her, aber sowohl die Frage als auch die Antwort treiben mich immer wieder um!

 

Sowohl lernen als auch lehren sehe ich als gemeinsamen Weg. Dabei ist es essentiell, zugänglich zu sein und miteinander in Beziehung zu treten. Dieser Weg des Lernens und Lehrens kann ja nur ein Weg bleiben, wenn ich als Lehrende selbst auch übe, wofür ich mich da so begeistere. Ich kann also überhaupt nicht nachvollziehen, wenn eine Person – und sei sie noch so erfahren – behauptet, sie würde das, was sie unterrichtet, “nicht mehr brauchen”. Das ist eine Sackgasse, da geht es nicht mehr weiter.

Ganz abgesehen davon, dass das Prinzip des Unterrichts, wie ich es verstehe, damit untergraben ist, finde ich es eine sehr problematische Haltung: “Ihr braucht das noch, daher unter-richte ich Euch noch darin. Aber ich selbst bin so alt/gut/weise/entwickelt/…, ich brauche das nicht mehr.” Da stellt sich die Lehrperson über die Lernenden. Diese Struktur kann man in vielen Beschreibungen von Guru-Schüler-Beziehungen erkennen und schafft ungesunde Hierarchien. Die Haltung öffnet Räume für Missbrauch und schließt Räume für neugieriges, ehrliches Erleben. Das kennen die meisten von uns noch aus ihrer eigenen Schulzeit.

Zurück zur eigenen Praxis: Wie viel braucht man als Yogalehrer:in wirklich?

Menschen sind unterschiedlich – auch Yogalehrer:innen. Die einen üben lieber ausführlich Asanas, andere konzentrieren sich mehr auf Meditation und Pranayama. Manchen erlaubt es der Alltag, täglich zu praktizieren, manche hüpfen nicht täglich auf die Matte. Und realistischerweise ist nicht jeder Tag gleich: Vielleicht ist man mal verletzt oder krank und die Praxis beschränkt sich auf Atemübungen. 

Für mich ist wichtig, dass ich (und diesen Anspruch habe ich auch an andere Yogalehrer:innen) mehrmals wöchentlich unterschiedliche Methoden des Yoga übe: Asanas, Meditation und Pranayama. Außerdem gehört eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Yoga-Philosophie und Werten dazu.

Yoga ist kein weiterer Bewegungstrend, sondern eine spirituelle Praxis mit Tradition. Wer Yoga lehrt und/oder ausbildet, sollte diese Praxis auch selbst leben, denn nur so entsteht ein Unterricht, der glaubwürdig und stimmig ist.

Was denkst Du darüber? Wie viel eigene Praxis braucht ein/e Yogalehrer:in? Bin ich zu streng?
Schreib mir gerne ein Email mit Deinen Gedanken an info@lenayoga.at!

Liebe Grüße und bis bald,
Lena.

Verbindlichkeit…

Verbindlichkeit…

20221031_Vis_Kamenica_0001_cChristian-Kotrc Verbindlichkeit...

oder: Wer sich festlegt kommt besser voran.

Die Schnelllebigkeit unserer Zeit macht vor Yoga nicht Halt – das ist nichts Neues und auch wenn das erstmal nach Vorwurf klingt, hat es auch viel Positives in sich. Das Angebot an unterschiedlichen Stilen wird immer größer, jede/r kann einen passenden Stil eine/n passnde/n Lehrer:in finden, sich heraus picken, was er/sie gerade braucht. 

Vielfältiges Ausprobieren

Viele Menschen lieben es, unterschiedliche Yoga-Veranstaltungen zu besuchen. Da gibt es eine tolle Location, dort super nachhaltige Yogakleidung und noch mal wo anders eine/n berühmte/n Lehrer:in, wo man vielleicht ein bisschen vom Glanz abbekommt. Das hat selbstverständlich alles seine Berechtigung, aber wo bleibt hier Yoga? Ist es Mittel zum Zweck für das nächste tolle Insta-Foto, für die Erzählung beim Fortgehen am Samstag Abend? Oder doch das Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung abseits der Bühne? 

Sicher können auch einzelne Yogaevents auf eine bestimmte Weise in die Tiefe gehen und spirituelle Erfahrungen ermöglichen. Und nur weil der Yogalehrer gerne seinen Sixpack präsentiert, heißt das nicht, dass meine Konzentration davon abgelenkt wird. Vielleicht darf einfach beides sein – auch das Dranbleiben?

(Gesunde) Disziplin ist Verbindlichkeit ist Selbstfürsorge

In der Yogaphilosophie kennen wir den Begriff Abhyasa. Er wird z.B. in Patanjalis Yogasutren genannt und bedeutet “anhaltendes Üben, Disziplin”. Es wird empfohlen, in dieser Qualität zu üben. Wer schon länger Yoga praktiziert, hat wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, wie lohnend dieser Weg des anhaltenden Übens ist. Also dranzubleiben, sich zu verpflichten z.B. einmal wöchentlich in einen Kurs zu gehen, oder sogar zu Hause regelmäßig zu üben. 

Nach einer Yogastunde kannst Du Dich schon einmal gelassen fühlen. Aber stell Dir vor, wie intensiv dieses Gefühl nach 10 Yogastunden ist! Dann gelingt es Dir auch im Alltag immer schneller gelassen zu sein. Dein Körper signalisiert Dir nach einer Einheit vielleicht, wie gut es ihm tut, einmal in alle Richtungen bewegt worden zu sein. Stell Dir vor, Du könntest ihm dieses Gefühl regelmäßig gönnen. Was wäre denn dann alles möglich?

Nach einer Yogastunde kannst Du zwar behaupten (wieder) eine/n neue/n Lehrer:in kennen gelernt zu haben. Aber stell Dir vor, Du würdest mit einem/r Lehrer:in viel tiefer eintauchen und Dich dabei sicher fühlen, ohne jedesmal wieder von vorne anzufangen. Stell Dir vor, Du hättest eine/n Lehrer:in, der/die Dich und Deinen Körper kennt. Dich automatisch im richtigen Zeitpunkt erinnert, jetzt noch ein bisschen durchzuhalten oder auch rechtzeitig aufzuhören. Dir bei den richtigen Asanas Unterstützung gibt, auf die Weise, wie Du es magst. Dir Alternativen anbietet, weil er/sie weiß, für Dich ist das so gerade nützlicher. 

Der Nutzen von Verbindlichkeit

Dein Körper und Dein Geist werden es Dir danken, wenn Du Dich für eine regelmäßige Praxis entscheidest. Wenn Du übst, auch wenn es Dich gerade nicht freut. Du musst das nicht alleine tun – ganz viele Yogalehrer:innen freuen sich, wenn Du Dich für ihre Unterstützung entscheidest. Es ist nämlich meistens eine Herzensangelegenheit, Dich zu begleiten, und wunderschön zu sehen, wie Du Dich wirklich vertiefst, lernst und zu strahlen beginnst. 

Und lass‘ uns die Vorfreude nicht vergessen! Du verpflichtest Dich ja nicht für etwas, was Du nicht magst. Du versprichst Dir selbst, von etwas, was Dir gut tut und Freude bereitet, regelmäßig mehr zu machen und davon zu profitieren. So kannst Du Dich jedesmal auf einen Termin oder auf das Gefühl danach freuen!

Wer sich festlegt, kommt besser voran.

Was ist eigentlich traumasensibles Yoga?

Was ist eigentlich traumasensibles Yoga?

Header-Baum Was ist eigentlich traumasensibles Yoga?

Traumasensibles Yoga… oder einfach sanftes, entschleunigendes Yoga für Deinen Entspannungsnerv. Eine erste Annäherung an ein goßes Thema – das ist also Teil 1!

 

Was ist traumasensibles Yoga?

Traumasensibles Yoga ist ein sehr sanfter, langsamer Yogastil, bei dem sehr konzentriert geübt wird. Der/die Yogalehrer:in bietet Vorschläge an, wie Du Dich bewegen und was Du wahrnehmen könntest. So schulst Du Dein Körperbewusstsein und lernst, Deine Bedürfnisse einzuschätzen. Die Anleitung ist so gestaltet, dass Du keine Zeit hast, Deinen Geist schweifen zu lassen – Du wirst immer wieder zu Deinem Körper und Deiner Yogapraxis zurück geholt.

 

Wie sieht eine Übung aus dem traumasensiblen Yoga z.B. aus?

Du kennst bestimmt die Übung, die oft als Einstieg unterrichtet wird, bei der Du Deinen Oberkörper kreist. Im traumasensiblen Yoga würden wir damit beginnen, die Auflagefläche des Beckens wahrzunehmen. Anschließend das Gewicht nach links und nach rechts zu verlagern, dabei immer wieder bewusst wahrnehmen, wie sich die Bewegung im Körper fortsetzt. Anschließend das Gleiche nach vorne und hinten. Dann erst würden wir mit Kreisen beginnen. So können diese Oberkörperkreise bis zu 20 Minuten dauern – ganz ohne langweilig zu werden!​

 

Wieso der Name?

Traumasensibel ist eigentlich menschensensibel. Denn wem tut es nicht gut, wirklich entspannen zu können? Wem tut es nicht gut, mit seinen Bedürfnissen gesehen zu werden? Und trotzdem wird das erstmal in der Therapie angewendet. Symptome, die durch Trauma ausgelöst wurden, können sich durch die Übungen bessern oder ganz verschwinden. Daher der Name “traumasensibel”. 

 

Wie wirkt traumasensibles Yoga?

Durch die speziellen Übungen für den Entspannungsnerv (= ventraler Vagusnerv) lernt das Nervensystem wieder, zwischen den unterschiedlichen Funktionsweisen flexibel hin und her zu schalten – diese sind: kämpfen oder flüchten, gesund entspannen und erstarren.

Durch das Üben der Wahrnehmung lernst Du Deine Bedürfnisse besser kennen und durch die vielen Möglichkeiten, die angeboten werden, erhältst Du Selbstwirksamkeit zurück. 

 

Für wen ist traumasensibles Yoga nützlich?

Einfach gesagt: Für alle.
Traumasensibles Yoga ersetzt aber auf keinen Fall eine Psycho- oder Physiotherapie. Das heißt, wenn jemand akut Symptome z.B. einer posttraumatischen Belastungsstörung hat, kann Yoga ein nützlicher Zusatz sein. Es sollte aber immer die Möglichkeit bestehen, das Erlebte mit einer/m Therapeut:in zu besprechen. 

Wenn jemand nicht bewusst Trauma erlebt hat und keine akuten Symptome hat, kann traumasensibles Yoga auch genützt werden, um noch besser entspannen und sich selbst noch besser kennenlernen zu können. Außerdem können die in guten Zeiten erlernten Techniken dabei helfen, herausfordernde Zeiten leichter zu überstehen. Traumasensibles Yoga kann also auch geübt werden, um resilienter zu werden. 

 

Nach so viel Text über herausfordernde Zeiten:

Falls es Dir gerade nicht gut geht, zögere nicht, Dir Unterstützung zu holen! Hier ein paar Ideen, wo Du Dich hinwenden kannst – wenn Du Deinen Namen nicht bekannt geben möchtest, kannst Du auch immer um Anonymität bitten:

Atemtherapie in der Physiotherapie

Atemtherapie in der Physiotherapie

Design-ohne-Titel-min Atemtherapie in der Physiotherapie

Um das Gesamtbild über „Breathwork“ zu ergänzen, berichtet Eva Steininger (Yogalehrerin und Physiotherapeutin) im folgenden Artikel über die Atemtherapie in der Physiotherapie. Ich, Lena, hatte wieder spannende Erkenntnisse – ich hoffe, Du auch!

Der respiratorische Kreislauf (= Atemkreislauf) ist essenziell für die Erhaltung und Gesundheit des menschlichen Körpers. Der gesamte Organismus wird so mit Sauerstoff versorgt, aber die Lunge ist zusätzlich eines der wichtigsten Organe zur Entgiftung.

Atemtherapie wird in der Regel bei Ventilationsbeschwerden der Lunge eingesetzt, was oft – aber nicht nur – bei Atemwegserkrankungen der Fall ist.

 

Wo findet Atemtherapie statt?

Die Therapie kann im Krankenhaus stattfinden, zum Beispiel nach Operationen, oder auch bei (temporärer oder langfristiger) Immobilität (= hier: Bettlägrigkeit). Atemtherapie kann aber auch Teil einer ambulanten Therapie sein. Sie kann den Hauptteil der Therapie ausmachen oder ergänzend eingesetzt werden.

 

Wie kommt es zur Notwendigkeit der Therapie?

Atemwegserkrankungen werden in obstruktive und restriktive Erkrankungen eingeteilt. Der Unterschied liegt darin, ob die Einschränkung durch eine Restriktion von außen (also z.B. Dehnbarkeit des Brustkorbes eingeschränkt) oder durch eine Obstruktion der Atemwege selbst (z.B. Asthma – Atemwege durch Anschwellen und vermehrte Schleimproduktion verengt) verursacht wird.

In der Neurologie kann die Atmung z.B. nach Schlaganfällen (häufig eine Seite des Zwerchfells gelähmt), aber auch bei degenerativen neurologischen Erkrankungen wie z.B. ALS, MS oder Gehirntumoren beeinträchtigt sein. Es geht hierbei darum, die lebenswichtigen Körperfunktionen, darunter auch die Atmung, so lange als möglich zu erhalten und dem Fortschreiten der Erkrankung entgegen zu wirken.

 

Wie kann die Atemtherapie aussehen?

Die Therapie richtet sich dabei je nach der Ursache der Beschwerden. Das kann von sehr einfachen Atemübungen, Entspannungsübungen und leichtem Herz-Kreislauftraining bis hin zu spezifischem Krafttraining für das Zwerchfell führen. Auch eine Massage der Atemhilfsmuskulatur kann notwendig sein, wenn diese z.B. durch Überanstrengung verspannt ist. Das passiert, wenn die Atmung stark erschwert ist oder wenn das Zwerchfell – aus welchem Grund auch immer – zu wenig arbeitet oder nicht genug Spielraum hat um zu arbeiten. 

 

Spannende Zusammenhänge

Die Atemhilfsmuskulatur beinhaltet die Zwischenrippenmuskulatur, aber auch einige Muskeln im Bereich des seitlichen Nackens und der Schlüsselbeine, des Schultergürtels und des Rückens. Somit kann auch bei verspannter Nackenmuskulatur ein Training des Zwerchfells sinnvoll sein, um die überanstrengte Nackenmuskulatur zu entlasten. Voraussetzung ist hierfür jedoch, dass die Verspannung aufgrund eben jener zuvor genannten dysfynktionellen Atmung entstanden ist.

Da das Zwerchfell den nervlichen Impuls (Innervation) aus einem Nervenstrang bekommt, welcher zwischen dem 3. und 5. Halswirbel entspringt, empfiehlt es sich, bei Beschwerden der Halswirbelsäule in diesem Bereich auch das Zwerchfell zu begutachten, und umgekehrt.

Auch kann es vorkommen, dass der Beckenboden gekräftigt werden muss. Dieser spannt bei jeder Ausatmung an, und entspannt bei jeder Einatmung, um den Organen im Abdomen (= Bauchraum) Platz zu machen, welche durch das vergrößerte Lungenvolumen vom Zwerchfell nach unten gedrückt werden. Ist der Beckenboden zu schwach, kann z.B. das Abhusten von Schleim erschwert oder unmöglich sein, da bei jedem Husten großer Druck auf den Beckenboden kommt.

Da das Zwerchfell und der Beckenboden gemeinsam mit Bauch- und Rückenmuskulatur die so genannte Rumpfkapsel bilden, spielen sie auch in der Atemtherapie eine entscheidende Rolle. Kräftigung und Dehnung der Bauch- und Rückenmuskulatur kann also ebenso ein Teil der Therapie sein.

 

Im Großen und Ganzen setzt sich die Atemtherapie in der Physiotherapie aus folgenden Teilbereichen zusammen:

Lagerung passend zum Krankheitsbild: je nachdem, wie man sitzt oder liegt, kann die Atmung erleichtert oder erschwert werden

Verbesserung der Ventilation (= Belüftung): durch spezifische Atemübungen oder den Einsatz von Übungsgeräten

Entspannungstechniken: durch die Regulierung des Nervensystems kann die Atmung erleichtert werden

Sekretmobilisation: zähen Schleim verflüssigen, mobilisieren und Erleichterung des Abhustens

Brustkorbmobilisation: kann aktiv durch Übungen und/oder passiv durch den/die Therapeut:in erfolgen

Selbstmanagement: beinhaltet Maßnahmen, um das alltägliche Leben der Patient:innen so angenehm und effizient wie möglich zu gestalten

Für viele Patient:innen sind erfahrungsgemäß zumindest Elemente aus der Atemtherapie sinnvoll. Selbst wenn nicht offensichtlich eine Atemwegserkrankung oder Beschwerden bei der Atmung direkt vorhanden sind, können Patient:innen mit beispielsweise Nackenverspannungen, Rückenschmerzen, Beschwerden des Schultergürtels oder sogar des Beckenbodens von Elementen der Atemtherapie profitieren und ihr Wohlbefinden damit steigern.

Eine meiner Patient:innen, welche an Obstipation (= Verstopfung) litt, jedoch auch aufgrund anderer Beschwerden bei mir war, konnte unter anderem durch Entspannungs- und Atemtechniken ihre Verdauung anregen und sich somit Linderung verschaffen.

 

Breathwork für gesunde Menschen

Das Zwerchfelltraining kann aber auch bei gesunden Menschen oder Menschen ohne diagnostizierte Atemwegserkrankungen zu einer Leistungssteigerung des kardiorespiratorischen Systems führen. Somit kann die Atemtherapie auch als wichtiges präventives Mittel eingesetzt werden.

 

Für mich persönlich sind Atemübungen eine großartige Möglichkeit, mit wenig Aufwand große Veränderungen zu bewirken. Deshalb ist es mir besonders wichtig, das Bewusstsein dafür zu stärken und mehr Menschen zu motivieren, Atemtechniken in ihr regelmäßiges Übungsprogramm – egal ob zur Prävention oder zur Verbesserung von Beschwerden – aufzunehmen.

 

 

Eva Atemtherapie in der Physiotherapie

Eva Steininger ist Physiotherapeutin, Yogalehrerin und Lehrerin für Englisch und Musik. Wenn sie nicht gerade auf Reisen ist und/oder ihrer Liebe zur Bewegung nachgeht, findet man sie in Eferding, in der Nähe von Linz – wahrscheinlich in der Nähe von Tieren oder singend oder beides.

Ablauf einer Breathwork-Einheit

Ablauf einer Breathwork-Einheit

20170704_205029-scaled Ablauf einer Breathwork-Einheit

„Breath-Work“ ist „Atem-Arbeit“. Aber wie sieht diese Atemarbeit denn eigentlich aus und warum soll man überhaupt Atemübungen machen?

In den vorigen Artikeln habe ich beschrieben, dass ich in erster Linie Atemtechniken aus dem Yoga und deren Varianten übe und in meinen Kursen weitergebe (in Abgrenzung zur Physio- bzw. Traumatherapie). Was ich heute ergänzen möchte, sind konkrete Infos über die Übungen und die Breathwork-Einheiten. So kannst Du noch besser einschätzen, ob Du Breathwork in Deine Routine aufnehmen möchtest.

 

Was wir also üben, ist Atem…

… rhythmisieren,
… verlängern,
… intensivieren,
… anhalten,
… verkürzen und
… verfeinern.

 

Konkret könnte das so aussehen:

In einem aufrechten Sitz z.B. auf einem Meditationskissen oder einem Stuhl konzentrierst Du Dich auf den Atem und nimmst ihn erstmal wahr. Das kann schon sehr entspannend sein! Dann spürst Du, ob Dir Dein Herzschlag zugänglich ist. Je nach Tagesverfassung kann das leichter oder schwieriger sein. Also keine Sorge, falls Du Deinen Herzschlag nicht wahrnehmen kannst. Atme dann im Rhythmus Deines Herzens oder in einem geschätzten Sekundenrhythmus 4 Herzschläge/Sekunden ein, 4 Herzschläge/Sekunden aus. Nach ein paar Minuten kehre zu einer entspannten Atmung zurück und spür nach.

 

Die Wirkung von Atemübungen:

In erster Linie geht es darum, die Vitalkapazität zu verbessern. Das ist, einfach gesagt, die Menge an Luft, die unsere Lunge verarbeiten kann. Diese Vitalkapazität sinkt normalerweise, wenn man älter wird. Ungefähr so, wie auch die Muskelmasse ab einem gewissen Alter abnimmt. Ob das wohl zusammen hängt?
In zweiter Linie geht es darum, dass der Körper den Sauerstoff aus der Luft gut weiter verarbeiten und in die Zelle bringen kann. So können nicht nur die Muskeln sondern z.B. auch das Gehirn gut arbeiten. Beides kann man mit Atemübungen erreichen.

In Deinem Alltag könntest Du das merken, weil Du, wenn Du Treppen hochsteigst, weniger außer Atem kommst, weil Du beim flotten Spaziergang mit Freunden gemütlich plaudern kannst, ohne nach Luft zu schnappen. Es kann sein, dass Du morgens plötzlich das Gefühl hast, Bäume ausreißen zu können und sofort aufstehen und produktiv sein möchtest, anstatt 10 Mal die Snooze-Taste am Wecker zu drücken und dann die Augenlider immer noch auf Halbmast hängen zu haben. Könnte sein, dass Du im Streit mit Deiner/m Partner:in sie/ihn plötzlich einfach gelassen ausreden lassen kannst und Ihr somit Euren Konflikt sinnvoll und in Ruhe lösen könnt. Du kannst Deine Bedürfnisse rechtzeitig erkennen und erfüllen. So sitzt Du nicht ausgelaugt vorm PC ohne zu wissen, wie Du den Tag überstehen sollst, denn Du konntest schon vorher dafür sorgen, dass Deine Akkus voll sind und kannst gut gelaunt Deiner Arbeit nachgehen. 

Viele Menschen berichten auch davon, dass Symptome (z.B. von Asthma) weniger werden, dass sie gelernt haben, Panik-Attacken rechtzeitig zu erkennen und mit Hilfe der Atmung zu kontrollieren, dass sie weniger Brainfog oder Erschöpfung verspüren, … 

 

Wie läuft eine Breathwork-Einheit ab?

Jede Einheit beginnt mit einem sanften, yogischen Durchbewegen des Körpers. Das könnten kreisende Bewegungen sein, Katze-Kuh im Vierfüßler, eine Übung für den Entspannungsnerv im Stehen und dann treffen wir uns wieder im Sitzen oder im Liegen, je nachdem, was nützlicher für die geplanten Atemübungen ist.  

Ich leite die Übungen (wie z.B. die Übung, die ich oben beschrieben habe) genau an. Du musst Dir während des Workshops nichts merken, Du wirst immer wissen, was gerade zu tun ist. Natürlich erinnere ich auch immer daran, dass Du Pause machen oder eine Übung beenden kannst. Ich erkläre auch, wie Du das spürst. 

Die Abfolge der Atemübungen ist aufbauend, sodass Du am meisten davon profitieren kannst. Auch im Breathwork gibt es bei mir, Lena, keine Konfetti-Stunden, bei denen alles durcheinander ist. Du wirst merken, dass es einen roten Faden gibt, dass Du zu den Übungen hingeführt wirst ohne überfordert zu werden. Und: Die Zeit wird unglaublich schnell vergehen. 

Am Ende folgt die Entspannungsphase. Die kannst Du in Rückenlage genießen, aber auch jederzeit in Seitlage, falls Dir Rückenlage unangenehm ist, oder auch im Sitzen, falls Du befürchtest, sonst einzuschlafen. So hat Dein Körper Zeit, sich von eventuellen starken Techniken zu erholen und alle Impulse zu verarbeiten. In der Phase passiert auch schon ein Teil des Abspeicherns des Gelernten und das ist wichtig, denn wir wollen ja bleibende Erfolge.

 

Falls Du jetzt Lust bekommen hast, Breathwork auszuprobieren, sag Bescheid! Ich hab vier kurze Atem-Videos in meinem Fundus, die ich Dir gerne kostenlos per Mail schicke.

Falls es ein bisschen mehr sein darf:

Der nächste Breathwork-Workshop findet in Hof bei Salzburg und online am 30. November 2024 statt. Für einzelne Breathwork-Einheiten oder fortlaufende Kurse trag Dich am besten in den Newsletter ein (siehe Link im Footer), dann bist Du immer über das Lenayoga-Angebot informiert. 

 

Viel Freude beim Ausprobieren!

Liebe Grüße,
Lena.

 

Cookie Consent mit Real Cookie Banner